Die Welt des Cannabisanbaus ist voller versteckter Zeichen. Ein leicht vergilbtes Blatt, ein ungewohnter Geruch oder eine subtile Veränderung in der Haltung der Pflanze – all das sind codierte Botschaften. Für erfahrene Grower ist die Pflanze nicht nur ein Lebewesen, sondern ein kommunizierender Partner.
Viele geraten in Panik, wenn sie zum ersten Mal kleine, klebrige Tropfen an den Blatträndern entdecken – oder denken, es handle sich um Harz. Doch diese Tropfen sind Spuren eines wichtigen physiologischen Prozesses, von dem wir viel lernen können – wenn wir genau hinschauen.
Was genau ist Guttation?
Guttation ist ein natürlicher Mechanismus, bei dem Cannabis über die Blattränder überschüssige Feuchtigkeit und Nährstoffe abgibt. Dieser Vorgang tritt vor allem nachts auf, wenn die Stomata (Spaltöffnungen) geschlossen bleiben, die Wurzeln aber weiterhin aktiv Wasser aus dem Boden aufnehmen. Der sogenannte Wurzeldruck steigt, woraufhin die Pflanze spezielle Poren – sogenannte Hydathoden – an den Blatträndern öffnet.
Durch diese Poren wird die guttative Flüssigkeit ausgestoßen – ein zäher Saft, angereichert mit Zucker, Aminosäuren und Mineralstoffen. Es handelt sich dabei also um weitaus mehr als nur Wasser.

Wichtig: Es ist kein Tau – und auch kein Harz!
- Tau: Kondensiertes Wasser aus der Luft, das sich auf kalten Oberflächen niederschlägt – kommt von außen.
- Harz: Klebrige Substanz, die aus Trichomen abgesondert wird – enthält Cannabinoide und Terpene.
- Guttation: Flüssigkeit, die aus dem Inneren der Pflanze stammt – eine physiologische Reaktion.
Was löst Guttation aus?
- Nachtzeit: Kein Sonnenlicht = keine Photosynthese → Stomata geschlossen.
- Feuchter Boden: Die Wasseraufnahme durch die Wurzeln läuft ungehindert weiter.
- Wurzeldruck: Wasser wird aufgenommen, aber nicht verdunstet → Druckaufbau.
- Hydathoden-Öffnung: Die Pflanze öffnet ihre “Ventile” → Flüssigkeitsaustritt an den Blatträndern.
Dieser Mechanismus ist auch bei vielen anderen Pflanzenarten zu beobachten – etwa bei Erdbeeren, Mais oder sogar bei bestimmten Pilzen wie dem „Blutenden Zahnpilz“ (Hydnellum peckii).

Woran erkennt man Guttation bei Cannabis?
- Position: Tropfen erscheinen ausschließlich an den Rändern und Spitzen der Blätter.
- Konsistenz: Klebrig, oft opalisierend, bernsteinfarben oder durchsichtig.
- Zeitpunkt: Meist früh morgens sichtbar, abends oft schon verschwunden.
- Keine äußeren Einflüsse: Kein Zusammenhang mit Schädlingen oder sichtbaren Verletzungen.
Warum kann Guttation ein gutes Zeichen sein?
- Starke Wurzeln: Die Pflanze nimmt Wasser effizient auf.
- Inneres Gleichgewicht: Sie reguliert ihren Wasser- und Nährstoffhaushalt eigenständig.
- Günstige Bedingungen: Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Bodenfeuchte sind im Einklang.
Einige Studien deuten darauf hin, dass die Guttationstropfen sogar nützliche Mikroorganismen auf der Blattoberfläche ernähren können – was die Immunabwehr der Pflanze stärkt.
Wann ist Guttation ein Warnsignal?
- Überwässerung: Wenn Guttation zu häufig auftritt, kann dies ein Hinweis auf zu viel Wasser sein.
- Nährstoffverlust: Mit der Flüssigkeit gehen wertvolle Mineralstoffe und Zucker verloren.
- Feuchtigkeitsprobleme: In Innenräumen kann die Verdunstung der Tropfen die Luftfeuchtigkeit erhöhen → Risiko für Schimmel.
- Krankheitserreger: Die zuckerreiche Flüssigkeit kann auch schädliche Mikroben (z. B. Botrytis) anziehen.
Sind die Guttationstropfen psychoaktiv oder medizinisch nutzbar?
Nein. Auch wenn sie dem Harz ähneln, enthalten sie kein THC, CBD oder andere Cannabinoide. Sie haben also weder medizinische noch berauschende Wirkung. Wenn du also den Gedanken hattest: „Ich könnte das ja mal rauchen“ – vergiss es lieber. Beobachte lieber mit Neugier und wissenschaftlichem Interesse.
Abschließender Gedanke: Lerne aus den Tropfen
Die Guttation beim Cannabis ist wie das sanfte Flüstern der Pflanze an ihren Gärtner:
„Mir geht’s gut … aber vielleicht hast du es ein wenig zu gut gemeint.“
Dieser Prozess ist kein Fehler, sondern ein Informationskanal. Wer darauf achtet, kann viel über Umwelteinflüsse, Gießgewohnheiten und das allgemeine Wohlbefinden seiner Pflanze lernen – von der Wurzel bis zur Blattspitze.
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